Kontoverbindung der Kirchengemeinde:

 

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Liebe (ehemalige) Konfirmandinnen und Konfirmanden 2019,

liebe Mitglieder der Kirchengemeinde Kirchhatten,

 

ich wende mich ein weiteres Mal im Namen der Kinder und Jugendlichen voller Freude an euch, an Sie, um mich von ganzem Herzen für eure/Ihre Spende für den Verein Raphael und Fee zu bedanken und zu berichten, wie es den Jugendlichen geht, die durch die letzte Spende psychotherapeutisch unterstützt werden konnten, und für wen die Spende dieses Mal zum großen Teil verwendet wird.

Der Jugendliche, der als unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland kam und von dem ich bereits einmal berichtet habe, hat vor den Sommerferien seine Ausbildung abgeschlossen und wird von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen. Die durch die Spenden finanzierte Psychotherapie hat es ihm ermöglicht, die belastenden Erinnerungen zu verarbeiten und sich hier in Deutschland zu beheimaten. Jetzt hoffen wir alle, die ihn unterstützt haben, sehr, dass er in Deutschland bleiben kann.

 

Ein Mädchen, das als Kind im häuslichen Umfeld sehr viel Gewalt erlitten hat und mit 8 Jahren in eine stationäre Einrichtung der Jugendhilfe kam, habe ich ab ihrem 13. Lebensjahr therapeutisch begleitet. Als die Krankenkasse die Kosten nicht mehr übernommen hat, wurde die weitere Psychotherapie u. a. aus den Spenden der Kirchengemeinde Hatten finanziert. Mittlerweile hat das Mädchen das Abitur gemacht und konnte mit 19 Jahren ein Studium beginnen. Für dieses Mädchen war die viele Jahre andauernde psychotherapeutische Begleitung existentiell wichtig. Da beide Elternteile ihren Kindern gegenüber extrem gewalttätig waren, hatte es keinen Kontakt mehr zur Herkunftsfamilie. Es waren viele Belastungen zu verarbeiten, u. a. stark belastende Erinnerungen, Gerichtsverfahren und natürlich alles, was im Alltag als Jugendliche belastend ist. Ich habe dieses Mädchen (wie einige andere Jugendliche aus der stationären Jugendhilfe auch) noch über das 18. Lebensjahr hinaus begleitet, weil die Jugendhilfe die Jugendlichen, die in Wohngruppen leben, nur bis zum 18. Lebensjahr begleitet und finanziert. Danach sind die Jugendlichen / jungen Erwachsenen zum großen Teil auf sich selbst gestellt. Ich glaube, dass ihr euch/Sie sich vorstellen können, was es bedeutet, bereits mit 18 Jahren ohne eine Anbindung an vertraute Menschen ein selbständiges Leben führen zu müssen. Für die Jugendlichen wie auch für das Mädchen, von dem ich spreche, sind Psychotherapeutinnen / Psychotherapeuten, die die Möglichkeit haben, jemanden über Spenden eine lange Zeit zu begleiten, häufig die einzigen vertrauten Personen, die sie ins Erwachsenenalter begleiten und sie bei auftretenden Problemen unterstützen.

 

Ich möchte jetzt noch von einem Mädchen berichten, dessen Psychotherapie aktuell aus den Spenden der Kirchengemeinde Hatten finanziert wird. Mein Bericht ist etwas ausführlicher, damit die Not dieses Kindes - und die Not vieler geflüchteter Menschen, insbesondere der unbegleiteten Kinder / Jugendlichen - nachvollziehbarer wird und auch nochmals deutlich wird, wie wichtig und hilfreich die Spenden sind. Die Pflegemutter, die mich bereits aus der Vergangenheit durch die Psychotherapie eines anderen Pflegekindes kannte, hat sich an mich gewendet, um psychotherapeutische Unterstützung für ihr Pflegekind, das aus dem Irak geflüchtet war, zu erhalten. Das Mädchen war mit 10 Jahren unbegleitet mit seinem damals 14-jährigen Cousin und einem behinderten Onkel aus dem Irak geflohen. Erst bei dem Fluchtboot erfuhr es, dass es ohne seine Eltern fliehen sollte. Jeder Mensch kann sich vorstellen, dass ein Kind mit 10 Jahren noch nicht ohne die Begleitung der Eltern sein möchte / kann. Die Eltern wollten, dass ihre Tochter in Sicherheit gebracht wird, aber für das Mädchen war es ein großer Schock. Sie erzählte mir: „Mir wurde dann gesagt, dass ich meine Sachen packen soll, und ich habe dann meinen Rucksack gepackt. Mir wurde gesagt, dass wir fliehen werden. Ich musste alles zurücklassen. Erst an dem Ort, wo das Fluchtboot war, hat Mama mir gesagt, dass ich allein, ohne sie, gehen muss.“. So stieg das Mädchen mit seinem Cousin, dem Onkel und vielen fremden Menschen in ein Fluchtboot ein. Als sie ein paar Stunden auf dem Wasser waren, ging das Schlauchboot kaputt, und sie mussten alles über Bord werfen. Später wurden sie von einer Hilfsorganisation gerettet und nach Griechenland auf die Insel Samos gebracht. „Wir sind auf einer griechischen Insel Samos an Land gegangen. Dort waren wir in einem Auffanglager. Wir waren dort ca. 2 Wochen lang. Von Griechenland aus sind mein Cousin, der Onkel und Kumpels von meinem Cousin und ich mit dem Zug, dem Bus und zu Fuß über Serbien, Bosnien, Slowenien und Österreich nach Deutschland gekommen. Es waren viele Kinder dabei. Uns ist nichts passiert. Wir sind immer mit Familien gelaufen“.

 

Das Mädchen beschreibt, dass es alle Gefühle „abgestellt“ habe. Als ich es mit 14 Jahren kennengelernt habe, war es voller Misstrauen, Angst und innerer Wut. Alles war ihm egal. Die einzige Person, der es vertraute, war seine Pflegemutter. Das Mädchen konnte nicht glauben, dass es für seine innere Not und Verzweiflung Hilfe geben würde, und war sehr abweisend. Trotzdem kam es immer wieder in die Psychotherapie. Ein großer Wandel ist in ihm passiert, als ich ihm gesagt habe, dass es von anderen Jugendlichen und deren Familien unterstützt wird, dass seine Therapiesitzungen bei mir von den Spenden, insbesondere auch Spenden von Jugendlichen, finanziert wird. Das war das erste Mal, dass es berührt war und Tränen kamen. Das Mädchen konnte es nicht fassen, dass sich andere Jugendliche dafür einsetzen, dass es diese Stunden bei mir bekommt. Es lässt sich seitdem zunehmend auf seine Psychotherapie ein und entwickelt ganz allmählich Vertrauen zu mir. Es beginnt, sich - trotz auch rassistischer Erfahrungen im Alltag - in Deutschland zu beheimaten, und entwickelt Hoffnung für seine Zukunft. Jetzt können wir beginnen, die traumatischen Belastungen wie vielfältige Kriegserinnerungen, die Erinnerungen an die Flucht und das Alleingelassenwerden mit 10 Jahren zu bearbeiten.

 

Ich möchte allen Spendern und Spenderinnen der Kirchengemeinde Hatten im Namen des Mädchens für die Möglichkeit einer Zukunft danken.

 

Elke Gimm

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