Grundriss

Die (Bau-) Geschichte der Kirche

 


Die Kirche ist dem heiligen Ansgar geweiht, der auch als „Patron des Nordens“ bekannt ist. Er lebte um 801 bis 865 und war Bischof von Bremen und Hamburg sowie päpstlicher Legat für Skandinavien und Dänemark. Während der Name Hatten bereits im Jahr 860 als „Villa Hahto“ in der Vita St.Willehadi, der Lebensbeschreibung eben dieses Missionars, genannt wird, ist aus einem 1260 erfolgten Eintrag ins Lehnsregister zu folgern, dass an dieser Stelle bereits damals eine Kirche stand. Die Bezeichnung „Kerckhatten“ weist deutlich darauf hin, das Baujahr der Kirche bleibt jedoch unbekannt. Als ältestes Baumaterial zeigen sich behauene Feldsteine im Sockelbereich. Aufgrund der Höhe dieses Feldsteinmauerwerks am westlichen Teil des Chores ist davon auszugehen, dass dies der älteste Bauabschnitt der Kirche ist. Chor, Schiff und Westturm reihen sich als kompakte und deutlich unterscheidbare Bauteile aneinander  eine Bauweise, wie sie typisch für die Romanik war. Dabei verweisen die etwas plumpen Strebepfeiler am rechteckigen Chor sowie die spitzbogigen gestaffelten Blendbögen im Giebel bereits auf den gotischen Baustil. Von der frühen Baugeschichte ist nur wenig überliefert, sodass anhand der heutigen Bausubstanz, die im Laufe der Zeit Reparaturen und Veränderungen erfuhr, nur Vermutungen angestellt werden können.

 

 

Nordseite der Ansgari - Kirche

 

Laut Überlieferung kam es 1493 zu einem Brand, woraufhin die Kirche wiederhergestellt wurde.1 Wie sich am Mauerwerk des Chores an einer Baunaht erkennen lässt, wurde dieser erweitert. Dabei dürfte er neben den zwei Gewölbejochen auch die gotischen Strebepfeiler und Blendbögen erhalten haben. Es ist wahrscheinlich, dass diese Baumaßnahmen mit der Wiederherstellung nach dem Brand zusammenhängen. Aus spätmittelalterlicher Zeit stammen auch die zwei
großen Glocken im Turm, die 1504 vom Osnabrücker Glockengießermeister Johannes Frese gefertigt wurden. Sie sind sowohl dem Kirchenpatron Ansgar als auch dem heiligen Secundus geweiht.

 

 

Malereien an der Nordempore

 

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fanden einige Veränderungen im Innenraum der Kirche statt: So wurde 1682 beispielsweise das marode Gewölbe des Kirchenschiffs abgetragen. Heute ist an seine Stelle eine Balkendecke getreten, die vermutlich 17452 eingezogen wurde. Im Zuge der erneuernden Maßnahmen wurde 1682 auch die Nordempore erbaut, während die Südempore erst 1743 entstand. Für das Jahr 1692 wird erneut von roßen Reparaturen berichtet. Um welche Art von Schäden es sich dabei handelte, bleibt jedoch ungewiss. Ausstattungsstücke wie das Epitaph an der Südwand oder das Abendmahlsbild im Chor sind ebenfalls auf das Ende des 17. Jahrhunderts datiert. Sie sind Stiftungen von Angehörigen der Familie Schreber – ebenso wie das
sandsteinerne Südportal, das die Jahreszahl 1718 trägt.

 

 

 

 

Historische Aufnahme des Kirchenraums, um 1897

 

Die 1774 begonnenen Inventarien geben Auskunft über bauliche Veränderungen im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie beinhalten die Aufzeichnungen der erfolgten Kirchenvisitationen, womit wir Aufschluss über die damalige Beschaffenheit und Veränderungen der Kirche erhalten. Die Kanzel stammt laut dieser Quelle von 1744. Zudem wird beschrieben, dass 1774 insgesamt 207 Plätze für Männer und 178 Plätze für Frauen im Kirchenraum vorhanden waren. Die Trennung von Männern und Frauen während des Kirchgangs war allgemein üblich und auch die Zuteilung der Plätze an bestimmte Personen entsprach der gängigen Praxis.

 

Im Jahr 1834 erfolgten größere Reparaturmaßnahmen an und in der Kirche.Mauern waren abgängig, Balken und Sparren teilweise verfault und das Chorgewölbe zeigte Risse.Auch das Dach musste an einigen Stellen neu gedeckt werden und zudem versah man das bisher wohl steinsichtige Äußere des Kirchenschiffes mit einem Anstrich. 1835 erfolgten Reparaturen am Turm, da sich Sparren, Balken, Dach und Mauern erneut in schlechtem Zustand befanden.
1838 wurde der Fußboden teilweise mit Backstein vermauert und das Kirchengestühl repariert. Laut Gemeindechronik erfolgte 1862 ein Durchbruch vom Kirchenschiff zum Turm, dessen Portal heute als Haupteingang dient. Die Inventarien schildern auch, dass damals noch immer ein Beichtstuhl neben dem Altar vorhanden war, was aus heutiger Sicht in einer lutherischen Kirche überraschen mag. Dieser Beichtstuhl blieb damals jedoch hinter einem Vorhang verdeckt. Darin befand sich ein kleiner abschließbarer Schrank, in dem der Pastor Feder, Tinte und Papier aufbewahrte. Auch der damalige Taufstein in Form eines
schwebenden Engels wird in den Inventarien erwähnt. Es handelt sich dabei um eine geschnitzte Figur, die eine Taufschale aus Messing in Händen hält und von der Decke heruntergelassen werden konnte – eine Mode protestantischen Kirchengeräts, das heute nur noch selten erhalten ist. Doch dieser Taufengel hat tatsächlich überdauert, wenn auch nicht in der Hatter Kirche. Über einen privaten Käufer gelangte er in die Oldenburger Garnisonkirche, wo er einige Jahre auf dem Dachboden sein Dasein fristete. 1987 ließ man ihn restaurieren und gab ihm einen Platz im Kirchenraum.

 

Die St.-Ansgari-Kirche von Theodor Presuhn

Eine kolorierte Zeichnung von Theodor Presuhn (1810-1877) vermittelt einen Eindruck vom Aussehen der Kirche im 19. Jahrhundert. Sie ist die älteste vorhandene Abbildung der St.-Ansgari- Kirche. In ihrer Süd-Ost-Ansicht zeigt sie im Gegensatz zu heute eine unregelmäßige Anordnung von Fenstern sowie mehrere über Treppen erreichbare Zugänge. Auch der Turm ist von außen über eine hohe Treppe zu betreten. Zwei Dachgauben mit Doppelfenstern sorgten für  bessere Lichtverhältnisse auf den Emporen. Noch bis 1946 war die Kirche eng mit Emporen verstellt. Lange Zeit gab es sogar Plätze auf sogenannten Hängepriecheln, also Emporen, die unter der Balkendecke angebracht waren. Begüterte Familien, wie die der Schreber von Schreeb, besaßen einen eigenen geräumigen Kirchenstuhl, der ihnen Plätze nahe des Altars bot. Solche Kirchenstühle waren über einen separaten Eingang zur Kirche zu erreichen, was wiederum die Vielzahl an Zugängen erklärt, wie sie auf der Darstellung Presuhns zu erkennen sind.

 

 

Die Kirche und der Kirchhof kamen 1938 unter Denkmalschutz. Ein Jahr später wurden im Chor mittelalterliche Freskenmalereien entdeckt, die man daraufhin freilegte. Sie sind noch heute zu bewundern. Beeindruckend ist auch das große mittelalterliche Kruzifix, das man 1932 auf dem Dachboden der Kirche fand und das heute hinter dem Altar aufgestellt ist.

 

 

 

Blick in den Innenraum heute

 

 

Der Zweite Weltkrieg ließ die Kirche nicht unbeschadet, denn noch  imApril 1945 stand Hatten unter Artilleriebeschuss,wobei auch die St.-Ansgari-Kirche getroffen wurde. Der Glockenturm diente als Beobachtungsposten und wurde nach dem Einmarschieren der Kanadier eingenommen. Er erhielt sieben Volltreffer und auch das Dach sowie das Innere der Kirche wurden größtenteils zerstört. Ferner wurden andere Kirchengebäude, wie das Konfirmandenzimmer im Pfarrgarten, die Friedhofskapelle und das Tragbahrenhaus auf dem Friedhof, erheblich beschädigt. Unmittelbar nach Kriegsende stellte die Gemeinde den Kirchenbau wieder her. Der Chorraum und der Turm wurden neu gedeckt und auch das Pfarrhaus u nd die Friedhofskapelle repariert. Freiwillige Spenden in
Höhe von 21.000 Reichsmark deckten den größten Teil der Reparaturkosten. In diesem Zuge nahm man außerdem einige Umgestaltungen wie die Erneuerung des Gestühls und die Verkleinerung einiger Fenster vor.3 In die Ostwand des Chores wurden drei schmale Spitzbogenfester eingefügt. Im Jahre 1946 feierten dann die Einwohner Hattens ihre St.-Ansgari-Kirche als erstes nach dem Krieg wiederhergestelltes Gotteshaus im Oldenburger Land. Tatsächlich waren aber manche Schäden noch nicht behoben. Erst Mitte der 1950er Jahre begann man mit der Beseitigung der großen Einschlaglöcher am Glockenturm, nachdem Stürme wiederholt Teile der Turmbedachung heruntergerissen hatten.4

 

 

Die Kirche nach dem Krieg

 

 


Die Glocken der St.-Ansgari-Kirche haben überdauert. Obwohl eine von ihnen während des Krieges bereits auf dem Weg zur Metalleinschmelzung war, konnte sie diesem Schicksal glücklicherweise entgehen und kurz nach Kriegsende in den Turm der Hatter Kirche zurückkehren. Seit 1993 wird das Geläut der beiden historischen Glocken durch eine neue kleine Glocke ergänzt. Eine Turmuhr war bereits 1774 vorhanden. Die Mechanik befindet sich noch heute im Turm. Seit 1984 wird die Uhr jedoch elektronisch betrieben. In den Jahren 1973-74 fand eine grundlegende Renovierung der Kirche statt. Dabei wurde in die bisher mit Bruchsteinen gefüllten Hohlmauern des Kirchenschiffes Beton gegossen, um sie zu stabilisieren. Die bis dahin an der Nordseite des Chores angrenzende Sakristei brach man ab und ersetzte sie durch eine Außentür. Die 1946 eingefügten Fenster hinter dem Altar entfernte man wieder. Der Chor wurde zum Einbau einer Warmluftheizung aufgegraben und der Altar neu gemauert. Bei den Grabungsarbeiten traten mit Tonnen gewölbte Grabkammern sowie weitere Grabstätten im Kirchenschiff zutage.

 

 

 

Der Innenraum vor der Renovierung 1972-74

 

Im Rahmen der Renovierungsmaßnahmen wurde in den 1970er Jahren auch das historische Kruzifix aus Eichenholz restauriert. Die Deckenbemalung ist gänzlich entfernt und anschließend historisierend nachgebildet worden. Zudem bekam die Kirche eine neue Orgel aus der Werkstatt Detlef Kleukers in Brackwede. Es ist die vierte Orgel, die die Kirche im Laufe ihrer Geschichte erhielt. Bedauerlicherweise wurden während der Renovierungsmaßnahmen keine archäologischen Untersuchungen vorgenommen, sodass viele Aspekte, insbesondere der frühen Baugeschichte, weiterhin ungewiss bleiben.

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