Die Kirche von Süden

Die Kirche und ihr Äußeres

 

 

Vom 1881 entstandenen Marktplatz her kommend, sieht der Besucher zuerst die Westseite der Kirche. Im unteren Teil aus Feldsteinen und darüber aus Backsteinen gemauert, tritt der Turm mit seinem schlichten Portal und der Turmuhr recht schmucklos in Erscheinung. Lediglich ein Fries aus Backstein umläuft ihn am oberen Abschluss zum spitzen Zeltdach. Zwei kleine Fenster im Osten, Schallöffnungen und jeweils ein Rundfenster an Nord- und Südseite des Turmes sind neben dem Portal heute die einzigen Öffnungen in den trutzigen Mauern. Dass es nach Süden im unteren Teil einst eine weitere gab, lässt sich anhand der Mauerung erkennen.

 

Geht man um die Kirche herum, sieht man an ihrer Südseite drei gleich große Fenster. Historische Abbildungen zeigen, dass sie in der Vergangenheit höchst unterschiedliche Formate hatten. Am auffälligsten ist sicher das Südportal, das früher den Hauptzugang zur Kirche bildete (siehe auch Seite 15). Die  Sandsteineinfassung mit dem figürlichen Relief wurde 1718 vermutlich von Traugott Schreber gestiftet und zeigt eine Vanitasdarstellung – die Illustration des Wissens um die eigene Vergänglichkeit. Ganz zentral ist das Bild der Taube, dem Symbol des Heiligen Geistes, das von einem Strahlenkranz umgeben wird. Darunter schauen die Darstellungen Gottvaters und Jesu Christi empor, die wiederum strahlenkranzähnliche Heiligenscheine tragen. Die drei Figuren bilden die Verkörperung der Heiligen Dreifaltigkeit und sind von Wolken mit geflügelten Puttenköpfen umgeben. Links und rechts sitzen flankierend zwei Engel. Der eine hält Sense und Korngarbe, der andere ein Stundenglas. Neben ihm verweist ein Totenschädel auf das unausweichliche Ende. Die Lebenszeit läuft ab und die Ernte wird eingeholt. Das gute Korn wird dabei vom schlechten getrennt – so lässt sich die dargestellte Szene heute interpretieren. Dies ist ein Sinnbild dessen, was dem Menschen gemäß christlichem Glauben nach dem Tode widerfährt. Der Stifter mahnt mit seiner gottesfürchtigen Schenkung nicht nur seine Mitmenschen, sondern fördert damit auch sein eigenes Andenken.

 

 

Die Kirche von Südosten

 

 

Der deutlich vom Schiff abgesetzte Chor lässt nur noch erahnen, dass sich hier bis zur 1946 erfolgten Neugestaltung der Kirche insgesamt drei Zugänge befunden haben, die über Stufen zu erreichen waren. Es handelte sich dabei um die Privatzugänge zu den Kirchenstühlen. Die Strebepfeiler und die gestaffelten Blendbögen im Giebel wurden in gotischer Zeit hinzugefügt. An der Nordseite des Chores befand sich in der Ecke zum Kirchenschiff noch bis in die 1970er Jahre eine kleine Sakristei, an deren Stelle sich heute eine Tür befindet. Die auch hier vorzufindende Schmucklosigkeit wird durch ein kleines Detail unterbrochen, das wiederum auf die Familie Schreber von Schreeb verweist. In Sandstein ausgeführt und von Rollwerk umgeben ist hier ihrWappen angebracht. Es zeigt die Darstellung des Pelikans, der sich für seine Jungen die Brust aufreißt, um sie mit seinem Blut zu nähren – ein Symbol für den Opfertod Jesu Christi. Das steinerne Wappen soll sich einst an der Grabkapelle der Familie Schreber befunden haben. Über der Grabstätte liegt heute nur noch eine Steinplatte. Sie liegt am Rande des nördlichen Kirchhofs.

 


An der Nordseite des Kirchenschiffs sind zum Turm hin noch die Überreste eines weiteren Eingangs sichtbar, der im Laufe der Zeit seine Funktion verlor und deshalb vermauert wurde. So zeigt der Bau noch immer Spuren vorgenommener Umgestaltungen, die später wieder zurückgebaut wurden. Neueren Datums sind hingegen das Mahnmal und die Kriegsgräberstätte westlich der Kirche. 71 Grabsteine erinnern an die Kämpfe, die im April 1945 in Hatten
stattfanden. Dabei wurden sowohl deutsche und kanadische Soldaten als auch Zivilisten Opfer der Kampfhandlungen. Im Jahr 1976 weihte man ihnen zu Ehren das Denkmal der Oldenburger Künstlerin Dorothee Helling-Sohmen (*1947) ein – ein rechteckiger Marmorblock, der auf einem Backsteinsockel liegt.

 

Mit weit hervortretenden Buchstaben ist umlaufend die lateinische Inschrift zu lesen: „DONA NOBIS / PACEM DOMINE / + IN DIEBUS / + NOSTRIS
+ (Herr gib uns Frieden in unseren Tagen.) In eingetieften großen Lettern und in Form eines griechischen Kreuzes,mit vier gleich langen Seiten, wird auf der Oberseite des Blocks ein Liedvers wiedergegeben:


„VERLEIH UNS FRIEDEN GNÄDIGLICH, HERR GOTT
ZU UNSERN ZEITEN. ES IST DOCH JA KEIN ANDRER NICHT, DER FÜR
UNS KÖNNTE STREITEN, DENN DU UNSER GOTT ALLEINE.“

Die Kirche und ihr Inneres

 

Betritt man den Innenraum der Kirche über denWestturm, fällt der Blick geradeaus auf den Chor, der von zwei Jochen mit Kreuzrippengewölbe gebildet wird. DieWand und Gewölbeflächen werden von ornamentalen und auch figürlichen Malereien geschmückt. Sie sind auf die Epoche der Gotik zurückzuführen und zeigen somit vorreformatorische Darstellungen. Vegetabile Formen ranken über die Gewölbekappen, als wollten sie sich ausbreiten. Auf dem gemalten Schildbogen der Ostwand befindet sich die Darstellung eines gekreuzigten Christus. Die Wand darunter zeigt die Gemälde einer Anna Selbdritt – dem Gruppenbild Marias mit ihrer Mutter Anna und dem Jesuskind – sowie der Madonna im Strahlenkranz. An den Seitenwänden nahe dem Kirchenschiff rekonstruierte man die Figuren von Jakobus d.Ä. und einer weiblichen Heiligen. Außerdem legte man die Fragmente eines weiteren Heiligen frei. Bei der weiblichen Figur handelt es sich vermutlich um die heilige Barbara, erkennbar am Kelch, den sie in der Hand hält. Die noch ungedeuteten Fragmente der daneben dargestellten Figur könnten aufgrund des erkennbaren Winkelmaßes als Apostel Thomas gedeutet werden. Weiter sind insgesamt neun Weihekreuze an die Wände des Chores gemalt.

 

 

Darstellung der Anna Selbdritt

 

 

Während der Renovierungsarbeiten in den 1970er Jahren wurde der Altar weiter nach hinten versetzt und mit neuen Ziegeln aufgemauert. Seine Altarplatte ist seitdem die Grabplatte, die man beim Einbau einer Heizung aus dem Chor entfernt hatte. Hinter dem Altar steht das große Kruzifix, mit dem eine besondere Geschichte verbunden ist. Das Kreuz wurde 1932 an der Ostwand des Kirchendachbodens entdeckt.Über seine Herkunft gibt es keine Belege, doch der Gründungsdirektor des Oldenburger Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Walter Müller-Wulckow (1886-1964), datierte es auf die Zeit um 1420. Es entbrannte ein Streit darüber, ob der Fund in der Kirche verbleiben oder ins Museum kommen sollte. Letztlich blieb das Kruzifix in der Kirche. Es wird vermutet, dass es von einem Mönch des Rasteder Klosters angefertigt wurde. Skulptur und Kreuz bestehen aus Eichenholz. Kopf, Rumpf und Beine der Figur schuf der Handwerker aus einem Stück, nur die Arme setzte er an. Der ausgemergelte Körper, die Andeutung der Rippen, der zur Seite geneigte Kopf und der leicht geöffnete Mund geben ihr den Ausdruck eines leidenden, sterbenden und verlassenen Christus. Die harten Züge, die kantigen Formen, die Seitenwunde und die Dornenkrone können beim ersten Anblick erschreckend wirken. Bedenkt man, dass sich bis zur Restaurierung außerdem ein enormer Riss im Bauch der Figur auftat,war die Wirkung des Kruzifixes ganz unbeabsichtigt noch wesentlich stärker als heute.

 

 

 

An der nördlichen Chorwand, dort wo ehemals das Kruzifix angebracht war, hängt heute das ehemalige Altarbild der Kirche. Eingefasst in einem barocken Schnitzrahmen befindet sich hier ein ovales Abendmahlsbildnis, das Amtmann Christian Schreber und seine Ehefrau Catharina Ende des 17. Jahrhunderts stifteten. Die kleinen Medaillons am Rande des Bildes zeigen ihre Porträts. Wie für eine Theaterszene öffnet sich dem Betrachter ein gemalter Vorhang, der den
Blick auf Jesus und seine Jünger freigibt, die sich um einen runden Tisch gruppieren. Zwei Engel halten das über dem Bild angebrachte zweigeteilte Wappen, auf
dem die Figur des auferstandenen Christus steht. Das Kunstwerk diente früher als  Altaraufsatz, als sogenanntes Retabel. Seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Instandsetzung der Kirche 1946 wurde es von einem Bild des segnenden Christus verdeckt. 

 

 

Neben den genannten Stücken befindet sich im Chor das hölzerne Taufbecken von 1905. Der sechseckige Tauftisch wird von geschnitzten Ornamenten  geschmückt. Er trägt eine Taufschale aus Messing und den Spruch: „Lasset die Kindlein zu mir kommen / und wehret ihnen nicht, / denn solcher ist das Reich Gottes. / Wer da glaubet und getauft wird, / der wird selig werden, / wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.“ Der Tauftisch ist durch Rollen beweglich und wurde von der Gemeinde 1905 auf der Oldenburger Gewerbeausstellung erstanden.

 

 

 

 

 

 

Die heutige Kanzel stammt aus dem Jahre 1744, als sie das vorangegangene Stück ersetzte. Ihr Künstler ist indes unbekannt. Der sechseckige Kanzelkorb
ruht auf einem Fuß und über der Kanzel befindet sich ein Schalldeckel. Der Aufgang wurde in den 1970er Jahren erneuert. In vollplastischer Ausführung und von Säulen flankiert zieren die Darstellungen der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes mit ihren Attributen Mensch, Löwe, Stier und
Adler den Kanzelkorb. Der Schalldeckel trägt den Spruch: „Rufe getrost / Schone nicht! / Erhebe deine Stimme / Jesaja 58, Vers 1“. Darüber sind zwischen Eckzierden flache Schnitzereien angebracht, bemalt mit Ranken und geflügelten Wesen. Ganz oben steht die Figur des auferstandenen Christus mit Kreuzstab und Stigmata.

 

 

 

Ähnlich dem ehemaligen Retabel befindet sich eine weitere Darstellung des auferstandenen Christus auf dem Epitaph, das an der Südwand des Kirchenschiffs angebracht ist. Statt des Kreuzstabs trägt die Figur einen Palmzweig zum Zeichen des Martyriums. Wie das Abendmahlsbild stifteten Christian Schreber und seine Ehefrau auch dieses Kunstwerk, das die Jahreszahl 1696 trägt. Das Hauptbild zeigt den Gekreuzigten, unter dem die Stifter stehen. Blut fließt aus den Wundmalen der Füße direkt in die betenden Hände der Eheleute. Unter der Szene prangt eine Kartusche mit  dem Satz: „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes macht uns rein von allen Sünden“ (1. Johannesbrief 1,7). Bild und Spruch sind in aufwendiger barocker Architektur und Ornamentik eingefasst.
Dabei fungiert der untere Teil als Sockel, der gedrehte Säulen mit 25 Gebälk und einen sogenannten gesprengten, d.h. unterbrochenen Giebel, trägt. Unter der Christusfigur, die den oberen Abschluss bildet, sind die Wappen der Eheleute angebracht: das Schreber´sche Wappen mit dem Pelikan und das Wappen von Catharina Schreber, geb. Gülckin, mit drei Ähren.

 

 

Die Emporen, die heute noch in der Kirche vorhanden sind, wurden 1682 und 1743 eingebaut.  Bauer Johann Krey stiftete ihre Bemalung mit den Darstellungen von Heiligen und Tugenden. Die Figuren wurden später übermalt und erst 1946 wieder freigelegt.  Bei der Darstellung des Johannes an der Nordempore ist heute noch die ältere Farbgestaltung der Priechel sichtbar. An der Brüstung der Orgelempore wird der Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges gedacht. Von Engelsfiguren umgeben befindet sich hier eine Kartusche mit dem Spruch: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde.“ Dies war einmal der untere Rahmenteil des Abendmahlsbildes, das das Ehepaar Schreber im 17. Jahrhundert gestiftet hat.

 

 

 

 

Früher boten die Kirchenbänke nur zwei schmale Gänge, um zum Chor zu gelangen. Durch das Gestühl, das nach dem Zweiten Weltkrieg eingebaut wurde,  sowie durch die Herausnahme früherer Hängepriecheln und der Kirchenstühle im Chor wirkt der Kirchenraum heute licht und offen. Eine neue Farbgebung des Kircheninneren, mit der auch die Balkendecke neu gestaltet wurde, schafft Einheitlichkeit und Ruhe,was jedoch nicht dem historischen Raumeindruck entspricht, der durch Hinzufügungen geprägt war.

 

Die heutige Orgel stammt von 1976 und hatte bisher drei Vorgänger. Die erste Orgel erhielt die Kirche 1743/44, die jedoch bereits 1774 als „in schlechtem Stande“ bezeichnet wurde, woraufhin man sie zwei Jahre später reparierte. 1821 waren erneut Reparaturen erforderlich und 1862 erhielt die Kirche dann eine ganz neue Orgel. Doch dieses Instrument wurde bereits zehn Jahre später wieder als schadhaft befunden – ein Gutachten, das sich in den darauf folgenden Jahrzehnten noch oft wiederholte. Nach langer Auseinandersetzung um die Erneuerung, die in den frühen 1920er Jahre begann, bekam die Gemeinde 1934 ihre dritte Orgel. Das vierte und jetzige Instrument stammt vom Orgelbauer Detlef Kleuker (1922-88) aus Brackwede.Während die Pfeifen und Bälge der älteren Orgeln in den Turm hineingebaut waren, zog man den Prospekt beim Einbau der neuen Orgel vor, sodass dahinter ein als Jugendraum vorgesehener Turmraum entstand. Da er jedoch nicht beheizbar ist, wird dieser Raum heute als Lagerraum genutzt.

 

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